Mein Sammelgebiet an Briefen umfasst alle privaten Korrespondenzen vor 1960, also nicht mehr wirklich die DDR, aber noch inklusive der Nachkriegszeit und eben alles davor.
Begrenzt ist es theoretisch nach hinten nicht, allerdings kann ich irgendwann die Schrift nicht mehr entziffern, daher gibt es schon eine Altersbegrenzung der Schriftstücke für mich. Man könnte also sagen, dass ich hauptsächlich Briefe aus Mitte 1800 bis Mitte 1900 sammele, immerhin aus 100 Jahren Menschheitsgeschichte, mit zwei Weltkriegen dabei.
Ohne dass es mein spezielles Sammelgebiet wäre, besitze ich viele Briefe aus der Zeit des Nationalsozialismus. Erstens ist dieser nicht sehr lange her, daher noch viel erhalten und zweitens wurde damals einfach ungemein viel geschrieben. Kinder wurden aufs Land geschickt zur Sicherheit vor den Bomben, die sich oft auf die Städte konzentrierten (da wo halt Kriegs-/Industrie war); ganze Familien mussten die Städte verlassen, weil ihr Zuhause ausgebombt war und dann natürlich noch die Millionen Soldaten, die nach Hause schrieben beziehungsweise ihre Verwandten zu ihnen.
Es ist also nicht unüblich beim Shoppen in antiken Läden/auf Flohmärkten einen Brief zu finden aus der Zeit des Nationalsozialismus, und ebenso dann einen zu finden, bei dem in der Anrede „Liebe Eltern,“ steht. Das sagt nichts über das Alter des Absenders*der Absenderin aus.
Doch aber kann man Schlüsse ziehen, wenn – wie in diesem Fall Briefpapier der sogenannten „Feldpost“ verwendet wurde. Dann war es vermutlich ein Soldat, denn für die wurde dieses besondere Briefpapier ja (massenhaft) hergestellt. Hier seht ihr mal ein unbeschriebenes von diesen Feldpost-Briefpapieren:

Viele dieser Feldpostbriefe besaßen an den Rändern eine Gummierung (ein Klebestreifen, den man anfeuchten musste, wie bei Briefmarken). Sie wurden beschrieben, zusammengefaltet und zugeklebt, sodass kein Briefumschlag nötig war. Das war natürlich ein cleveres Design, da so unnötiges Papier für den Umschlag gespart wurde. Bereits im ersten Weltkrieg wurden sie benutzt, ich habe solche in meiner Sammlung.
Also ein Soldatenbrief! Und mit diesem Mindset ging ich an diesen kleinen Posten an Briefen und Karten: ein Soldat schreibt nach Hause.
Erst wollte ich sie gar nicht kaufen, denn es waren hauptsächlich Postkarten, die ich wegen dem geringen Informationsgehalt und den oft immer gleichen Sätzen darauf, nicht erwerbe üblicherweise.
Aber ich machte eine Ausnahme, die sich später als ein hervorragender Fund herausstellen sollte, wenn man nach Erwähnungen von historischen Events und unzensiert formulierten privaten Schicksalen sucht.
Erst kürzlich hatte ich sie erstanden. Ich nahm die Briefe mit nach Dresden, als ich eine Freundin besuchte und zu den anarchistischen Tagen ging. Um die historischen Briefe zu erhalten nehme ich ungern Teile meiner Sammlung auf Reisen mit, aber Zuhause versinke ich oft in Arbeit oder bin krank (meist die 2 Modi nur). Bin ich also mal gesund genug und unterwegs, kann es sein, dass ich endlich mal dazu komme reinzulesen.
Eines Abends schauten wir gemeinsam in die Briefe.
Ich sagte ihr:
„Dieser Posten an Briefen/Karten nervt mich etwas,
der schreibt WIE EIN KIND
– so unsauber und krakelig!“
Kann man nichts machen! Auch damals schon gab es Menschen mit einer schlechten Handschrift, die zum Beispiel lange aus der Schule heraus waren und nun in ihrem alltäglichen Leben nie schreiben mussten groß.
Aber immerhin war die Schrift für die Zeit schon sehr modern und kein flaches, schräges Sütterlin, was man auch oft findet in Briefen und Karten aus dem Krieg oder davor.
So wollte ich sie meiner Dresdner Freundin nur kurz zeigen, aber wir lasen dann doch Brief um Brief, Karte um Karte. Und das bis dann in einem stand, dass die Schulkameraden der 5.Klasse des Schreibers einen Ausflug machten. Da stockten wir!
5. Klasse???
OK, es IST ein Kind!! Unfassbar….

Bild: picture alliance / imageBROKER | Sjoberg
Unfassbar, dass er wirklich ein Kind ist, auf jeden Fall, und dazu äußerst selten! Ich hab vielleicht mal einen kleinen Gruß von einem Kind gefunden in einem Brief einer Familie an einen verwandten Soldat an der Front, in dem etwas Platz für eine Nachricht des Kindes gelassen wurde. Aber ich habe definitiv kein Konvolut (einen Haufen) von Briefen und Postkarten eines Kindes in meiner Sammlung.
Nun aber wohl doch! Und wenn man genau hinsieht, erkennt man auch dass das „Feldpost“ auf den Briefen durchgestrichen ist. Also zwar die Vordrucke, das Briefpapier, von der Wehrmacht/der damaligen Armee, aber sie wurden nicht über sie versendet.
Aber am spannendsten bleibt doch dass es Briefe eines Kindes sind, des kleinen Toms Gedankenwelt, mitten im Krieg.
Was ein Fund!

Und der Inhalt ist dazu auch noch ungemein interessant, wie ich bereits erwähnte. Daher konnten wir ja auch nicht aufhören zu lesen, diesen Abend in Dresden, als alle Veranstaltungen des Tages durch waren für die ich nach Dresden gekommen war. Dabei wussten wir, dass der nächste Tag lang wird. Aber was solls!
Warum sich nicht in alten 80 Jahre alten Briefen verlieren, statt vernünftig zu sein?! Vernünftig können wir noch oft genug sein!!!
Wir haben allerdings sehr durcheinander gelesen, da ich die Briefe/Karten noch nicht geordnet hatte, nach ihrem Alter.
Mittlerweile habe ich es getan. Und da mag ich mit euch zusammen reinschauen nun.
Die erste kleine Karte ist vom 11.07.1944, mitten im Sommer. Und nicht mal mehr ein Jahr bis Kriegsende.
Tom ist laut der Postkarte nun in „Biberach“ angekommen und berichtet an seine Eltern, dass die Reise gut verlief. Außerdem schreibt er dass man „3 Wochen Urlaub noch außerhalb Stuttgarts“ verbringen darf. Und…
„man die übrigen 3 Wochen der Sommerferien […] im KLV Standort sein bzw. Erntehilfe“ leisten muss.
Was hat das zu bedeuten?
KLV steht für die „Kinderlandverschickung“.

„Vor dem Hintergrund zunehmender Bombenangriffe während des Zweiten Weltkriegs und der gravierend anwachsenden Versorgungsprobleme in den Städten wurden bis Kriegsende rund 2,5 Millionen Jungen und Mädchen in ländliche Gebiete evakuiert.
Die 10- bis 14-Jährigen wurden zumeist klassenweise in einem von etwa 9.000 Lagern untergebracht. Ihr Alltag dort war streng reglementiert. Die meisten Kinder litten sehr unter Heimweh.“
– Struck, 2015
Zu dem Heimweh passt auch dieser Briefinhalt:
Tom fragt seine Eltern noch nach einem „Urlaubsgesuch“. Auch das war mir vorher nicht bekannt, dass Kinder sowas einreichen mussten, um die Stadt, in der sie (fern von den Eltern) blieben, überhaupt verlassen durften. Auch muss es wohl ein „begründetes Gesuch“ sein. Was dort wohl als legitime Gründe genehmigt wurden?

Natürlich wollten die Nationalsozialist*innen nicht unbedingt die Kinder, die in wenigen Jahren selber als Kanonenfutter/Soldaten dienen würden, in Gefahr sehen, dort in den großen Städten, wo vermehrt Bomben fielen und Menschen jeden Alters starben. Daher wohl das Verlangen von „dringenden Gründen“ zur Genehmigung.
Aber auch der Einfluss auf die Kleinen war größer, wenn sie Tag und Nacht bei Nationalsozialist*innen untergebracht waren. So schrieb es auch Struck:
„Mit großem Aufwand stellte die NS-Propaganda diese Kinderlandverschickung (KLV) als gesundheitlich begründete Ferienreisen für Stadtkinder dar.
Aus der durch den Luftkrieg hervorgerufenen Notlage machten die Nationalsozialisten in mehrfacher Hinsicht eine ideologische Tugend: Die Kinder konnten vor dem Krieg geschützt werden und wurden gleichzeitig der politischen und ideologischen Beeinflussung sowie dem paramilitärischen Drill in den Lagern ausgesetzt.
Zugleich waren die oft über Monate, bisweilen auch über Jahre in Schullandheimen, Zeltlagern, Pensionen oder Jugendherbergen lebenden Kinder dem Einfluss ihres Elternhauses entzogen. Fernab von Elternhaus und Schule konnte das NS-Regime so im Sinne der nationalsozialistischen Ideologie auf die Kinder einwirken.“
– Struck, 2015

Die NSV (Nationalsozialistische Volkswohlfahrt) organisierte die Evakuierung der 6- bis 10-jährigen Kinder in sogenannte Familienpflegestellen. Sie wurden also bei Familien untergebracht. (vgl. Klee, 2025)
Die (Hitlerjugend) HJ war für die Evakuierung der 10- bis 14-Jährigen in KLV-Lager zuständig. (vgl. ebd.)
Tom war vermutlich bereits in einem solchen KLV-Lager, er erwähnt eines zumindest, ebenso schreibt er von der HJ (später). Auch würde es von seinem Alter her passen, dass er von der HJ direkt in ein Lager verschickt wurde.
Es waren unvorstellbar viele Kinder, die ins Ländliche umziehen mussten. Spannend eigentlich, bei den Zahlen, dass heut so wenig darüber bekannt ist.
„Schätzungen gehen davon aus, dass im Rahmen der EKLV von Oktober 1940 bis Mai 1945 im gesamten Deutschen Reich insgesamt rund 1,5 Millionen Kinder, teilweise mit ihren Müttern, in Familienpflegestellen und etwa 850.000 Kinder und Jugendliche in KLV-Lagern evakuiert wurden. Ihre Rückkehr zog sich noch weit über das Kriegsende hinaus hin.“
– Klee, 2025
In den Lagern herrschte militärischer Drill und natürlich ideologische Indoktrination. Die klassische Schulerziehung und Religion traten für die meisten Kinder in den Hintergrund, Hauptsache die Kinder standen 100% hinter der Ideologie der Nazis. (vgl. Klee, 2025)
Das könnt ihr an den Postern, mit denen darum geworben wurde, schon entnehmen.

Plakat: „Kinder auf’s Land durch N.S.V.“, um 1934 (Propagandaplakat) |
StadtAM, Fotosammlung 2960
Weiterlesen zum Thema:
Kock, G. (1997): „Der Führer sorgt für unsere Kinder …“ Die Kinderlandverschickung im Zweiten Weltkrieg, Paderborn.
Rüther, M. (Hg.) (2000): „Zu Hause könnten sie es nicht schöner haben!“ Kinderlandverschickung aus Köln und Umgebung 1941-1945, Köln.
Es ging allerdings nicht nur um die politische Indoktrination. Obendrein gab es gerade in den Städten oft Versorgungsprobleme, da sich viele Menschen auf engem Raum häuften und man jegliches Essen in die Städte bringen musste.
Im Krieg nicht immer einfach das zu organisieren. Auf dem Land war die Versorgung der Menschen einfacher und direkter zu regeln.
Tom berichtet sonst noch davon die Kirschen schon gegessen zu haben. So hat er wohl von den Eltern Kirschen bekommen. Spannend, sollte man doch meinen, dass er dort, wo er war, besser versorgt wurde, als die Eltern in der Stadt. Aber eventuell wollten sie ihm trotzdem was Gutes tun; ihm einfach was mitbringen.
Dann schreibt recht trocken am Ende:
„Es war Fliegeralarm“.
Etwas mit dem Kinder nicht aufwachsen sollten, aber es leider immer wieder in der Geschichte der Menschheit tun müssen, wegen Kriegen, die von Männern in Machtpositionen begonnen werden.

Also bis hierher schon recht spannend, würde ich meinen! Aber es kommt noch mehr!
2 Monate später schrieb er eine recht besorgte Karte an die Eltern, da er gehört hatte, dass es einen Angriff auf Stuttgart gab. Und so erkundigte er sich nach dem Befinden der geliebten Eltern und Tante. Stuttgart erlitt im Zweiten Weltkrieg durch insgesamt 53 alliierte Luftangriffe massive Zerstörungen.

Ja, die Kinder hatten natürlich nicht nur Sorge um sich, sondern auch sie bangen um ihre Liebsten, sobald sie alt genug waren verstehen zu können, dass diese sich in Gefahr befanden.
Sorgen um sich, um die Eltern, Mangelversorgung, Krankheit – Lebensalltag im Krieg!
Dazu eben noch die Indoktrinierung zu Soldatenwesen, Antisemitismus, Rassismus, anderem Hass auf verschiedenste Menschengruppen. Und natürlich Nationalstolz, damit sie nicht nur gegen was sind, sondern auch für etwas sein können, etwas was ihnen Identität gibt.
Weiter schrieb er in derselben 2. Karte, am 7. September 1944:
„Bei uns in Biberach hat sich in kürzester Zeit manches verändert: die Leute packen Luftschutzkoffer und gehen in den Keller (auch bei Köslers).“
So ist also nun auch hier der Bombenkrieg angekommen! Das ist natürlich tragisch: Da schickt man die Kinder aufs Land und dann sind sie dort auch gefährdet! Aber so war es eben. Warum die „Köslers“ explizit erwähnt wurden – unbekannt!
Aber nicht nur durch die Bomben sollte es gefährlich sein für Tom:
„Unsere 5.Klasse wird morgen zu Schanzart an den Westwall kom(m)en. Unsere (meine) Klasse muss als Kriegseinsatz Kamillen sammeln. Der Kreisschulungsleiter sprach gestern Abend zu B.D.M. u. H.J. über die Lage. Wenn man öfter vom Dienst wegbleibt wird mit Straflager gedroht.“

Auch 1944 war man – wie heute – in der 5. Klasse in der Regel 10 bis 11 Jahre alt, sofern man regulär mit 6 Jahren eingeschult wurde.
Hier wurde also 10-jährigen Kindern mit Straflager gedroht! Unfassbar….
Jugendliche im Alter von 14 bis 16 Jahren hatten am Westwall besonders schwere Arbeiten zu verrichten. Sie mussten unter teils katastrophalen Bedingungen kilometerlange Schützengräben ausheben, Panzersperren errichten und Laufgräben anlegen. (vgl. Bernard & Strauß, o.J.)
Es waren aber nicht nur sie: Alle Menschen, die nicht schon zur Wehrmacht einberufen war, mussten zum sogenannten „Schanzen“ antreten. Alte Männer, Frauen, Kinder, „Fremdarbeiter[*innen]“ und Kriegsgefangene – also Zwangsarbeiter*innen, sollten ein Bollwerk aus Gräben und Panzergräben ausbauen, an dem der Feind zum Stillstand kommen sollte.(vgl. Bernard & Strauß, o.J.)

Darstellung „Westwall“ – Quelle: Zeichnung erstellt 2004 von Sansculotte; sansculotte@despammed.com
Der dritte Brief ist einer derer, der auf Feldpostpapier geschrieben wurde. Er ist ebenfalls vom September 1944. Zunächst geht es in ihm nur über private Belange, nichts sonderlich Interessantes, würde ich meinen. Aber dann geht es wieder um Fliegerangriffe:
„Heute Vormittag war Fliegeralarm und es waren viele feindliche Flugzeuge zu hören und Köslers u. ich gingen einstimmig in den Keller im „Schatten“. Dieser Keller hat jetzt einen richtigen Notausstieg bekommen.“
Spannend, dass er mit „Köslers“ in den Keller geht. Das ist ja ein Indiz dafür, dass er doch noch nicht in einem KLV-Heimen einquartiert war, sondern privat bei einer Familie. Womöglich war er also doch gerade knapp 10 Jahre alt und wäre, wenn der Krieg nicht bald geendet wäre, demnächst in ein KLV-Heim gekommen, spätestens mit 11 Jahren. Dazu sollte es aber nicht mehr kommen!
Was der letzte Satz bedeuten könnte bleibt spekulativ. Entweder haben sie extra einen Notausstieg gebaut, oder ein Loch wurde durch eine Bombe hervorgerufen. Ich denke es wird das Erste davon sein, denn Not-Ausstiege waren in Bombenschutzkellern wichtig, damit die Menschen nicht erstickten, wenn sie durch die Kellertür nicht mehr entkamen.

Auch der nachfolgende Brief, damit das 4. Poststück aus der Sammlung, behandelt das Bombenthema, neben einigen Ausführungen zu dem Umstand, dass Tom mehrfach auf dem Bahnhof war, um die Eltern zu empfangen, die dann nicht kamen. Er schrieb, dass er dann ja erfahren hat warum, aber wir erfahren es leider nicht.
Doch wissen wir nun aus dem Brief, dass die Eltern aus (Kanonenweg 34 III) Stuttgart nach „Isny i. Allgäu“ gezogen sind. Also raus aus Stuttgart nach Isny, zu einer Familie „Bold“.
Von Stuttgart sind das nach Isny ca. 2h mit dem Auto, mit heutigen Straßen, mit Zug ähnlich lang. Nach Biberach, wo der Sohn nun lebte, waren es nur noch ca. eine Stunde. Das ist näher am Sohn als vorher.
Vermutlich war dieser Umzug nicht freiwillig, denn Tom fragt am Ende des kleinen Briefes, ob „in dem verbrannten Haus von Frau Guiser noch Sachen von uns drinn“ waren. Somit ist wohl die Unterkunft in Stuttgart abgebrannt und sie entschieden sich die Stadt in Richtung Land zu verlassen. Von einer etwa 490.000-Einwohner*innen-Stadt ging es in eine knapp 4.000-Menschen große. So kann man es Einwohner*innen-Zählungen der Zeit entnehmen. Kleinere Städte/Dörfer waren meist sicherer.
Spannend ist auch, dass die ersten beiden Briefe in die „Häckländerstr. 39“ in Stuttgart ging, wo die Familie bei „Frau Geh.Rat Dr. Grosse“ unter kam. Und dann der danach in den „Kanonenweg 34“, „bei Herrn Major Krusemarck“. Es war üblich bei Menschen unter zu kommen, die noch Platz hatten oder sich Geld dazu verdienen wollten durch die Untermieter*innen. Nich selten waren es Frauen, deren Männer im Krieg oder verstorben waren und sie versuchten die Kinder durchzubringen.
So stand dann eben auf den Briefen bei wem sich die Menschen aufhielten, wie wir es auch hier sehen, denn deren Name stand schließlich am Briefkasten und an der Klingel.
Wer also nun Frau Guiser war, ist nicht bekannt. Eventuell ist das Haus der Familie, also in dem sie gewohnt hatten, in Stuttgart bei Kriegsausbruch, ja abgebrannt oder eingestürzt (oder beides) und sie konnten noch einige Dinge retten, die dann bei der Frau Guiser untergebracht waren. Oder sie waren zwischendurch wieder bei jemand anderem unter gekommen und auch diese Unterkunft ist in den Bombardierungen verloren gegangen. Wir wissen es leider nicht!
Nun waren die Eltern aber scheinbar raus aus Stuttgart gezogen/geflüchtet. Von den auf dem Flohmarkt erworbenen Briefen gingen alle nachfolgend nur noch nach „Isny“. Eventuell sind sie ja nicht am Bahnhof aufgetaucht genau deswegen. Würde Sinn machen!
Die Karte danach ist vom 3.10.1944 und befasst sich nur damit, dass er zu den Eltern reist rund um den 8. Oktober. So scheint ja der Gesuch auf einen Besuch zu den Eltern geglückt, also genehmigt worden zu sein.
Und so endet dieser erste Beitrag zu den Briefen und Karten von Tom.
Es kommt also noch ein zweiter Beitrag dazu. Ich habe mich, trotz schlechter Erfahrungen mit geteilten Blogeinträgen, dazu entschieden, weil es sonst schlichtweg zu lang wird. Aber ab dem Nächsten wird es nochmal richtig spannend! Das kann ich euch versprechen!
Also bleibt gespannt und schaut nächsten Sonntag wieder rein. 😊
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Quellen:
Bernard, H. & Strauß, J. (o.J.): Schanzeinsatz. IN: Der Luftkrieg gegen die Zivilbevölkerung. Unter: https://von-huelzweiler.de/krieg
Klee, K. (2025): Kinderlandverschickung (publiziert am 16.01.2025), in: nsdoku.lexikon, hrsg. vom NS-Dokumentationszentrum München, URL: https://www.nsdoku.de/lexikon/artikel/kinderlandverschickung-2
Kock, G. (1997): „Der Führer sorgt für unsere Kinder …“ Die Kinderlandverschickung im Zweiten Weltkrieg, Paderborn.
Rüther, M. (Hg.) (2000): „Zu Hause könnten sie es nicht schöner haben!“ Kinderlandverschickung aus Köln und Umgebung 1941-1945, Köln.
Struck, B. (2015): Kinderlandverschickung (KLV). Berlin: Deutsches Historisches Museum, abrufbar unter: https://www.dhm.de/lemo/kapitel/der-zweite-weltkrieg/alltagsleben/kinderlandverschickung
