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Feuerinferno im Dorf – Brief an den Vater 30 Jahre später (1909)

Stell dir vor dein ganzes Dorf brennt ab….dein Zuhause weg, deine Erinnerungsgegenstände, Briefe – alles weg! Hunderte Menschen mussten in Scheunen wohnen nach dieser Tragödie. Sie sahen ihren Besitz in Flammen aufgehen und dann mussten sie noch im Stroh schlafen, für wer weiss wie lange danach.

Eine dieser Personen sah obendrein noch sein Lebenswerk verbrennen.

Was war passiert?

„Am 10. Februar 1879 brach während eines Föhnsturmes in einem alten Holzhaus an der Unteren Gasse in Meiringen Feuer aus, griff trotz raschen Eingreifens der Feuerwehr schnell auf die Nachbarbauten über und verwüstete buchstäblich in Windeseile das ganze untere Dorf (…).

Der Föhn trug das Feuer mit rasender Geschwindigkeit in die westlich von Meiringen gelegenen Ortsteile (…). [Innerhalb] kürzester Zeit brannten die drei Dörfer lichterloh.

Obwohl die Feuerwehren von Interlaken bis Giswil der Gemeinde zu Hilfe eilten, gingen insgesamt 110 Wohnhäuser, Gasthöfe und Werkstätten, Scheunen und Ställe in Flammen auf.

455 Menschen verloren ihr Obdach. 250 von ihnen mussten für die nächste Zeit behelfsmässig in Scheunen untergebracht werden.“

– Maurer, 1999, S.3
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Das Dorf Meiringen vor dem Brand von 1891. Die Häuser bestanden damals meist aus Holz, selbst die Dächer waren mit Holzschindeln gedeckt. Dadurch konnten die Gebäude leicht von einer Feuersbrunst zerstört werden.

(Bildquelle: Museum der Landschaft Hasli)


Bis ins 20. Jahrhundert hinein waren viele Gebäude vollständig aus Holz gebaut. Bei starken Winden verbreiteten sich Feuer von einem brennenden Gebäude oft auf die umliegenden Häuser, so dass nicht selten ganze Dörfer abbrannten, so wie es auch in Meiringen war.

Auf dem Gemälde hier, welches viele Jahre vor dem Brand entstand, seht ihr die Holzhäuser gut:

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Dorfpartie mit Dorfbach und Alpbach. Kolorierte Aquatinta von Gabriel Lory (Fils), 1822 (Bildquelle: Schweizerische Nationalbibliothek).

Was gibt es über Meiringen zu sagen? Dieses Dorf liegt in der Schweiz, genauer: im Schweizer Kanton Bern. Es ist umrahmt von Bergen, in denen man Wintersport machen kann. Meiringen ist geprägt von dieser idyllischen Gegend, die auf Fotos teilweise wirkt wie künstlich generiert. Aber sie sind nicht künstlich geschaffen worden, es ist einfach so schön dort!

Das zieht auch Menschen hin, was kein neues Phänomen ist, denn ein wirtschaftlicher Aufschwung durch den Tourismus setzte bereits 1880 ein, so sagt die Wikipedia-Seite zur Gemeinde/dem Dorf. 

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Meiringen um 1900 (Bildquelle: Ansichten der Schweiz aus der Photochrom-Drucksammlung.; Titel vom Bibliothekspersonal vergeben.; Drucknummer „17089“)

So idyllisch es da aber auch sein mag, es gab offensichtlich diesen wirklich gravierenden Brand. Undbei dem einen sollte es nicht bleiben.

Es ereignete sich im Herbst 1891 die zweite Brandkatastrophe, bedeutend schrecklicher noch als die erste. (vgl. Maurer, 1999, S.4) Wieder brannten unzählige Häuser ab. Auch solche, die Georg Pressel teilweise designed und erbaut hatte.

Hier könnt ihr Augenzeug*innenberichte lesen:

«Bald ist die häuserdichte Mitte des Dorfes ein Flammenmeer; . . . furchtbar lodern die Flammen aus dem alten Gebäude „zur Post“ empor; die ganze untere Gasse, . . . muss nocheinmal den wütenden Flammen zum Opfer fallen; . . . Niemand denkt mehr an Rettung der Häuser, kaum retten viele das nackte Leben.»

VON BERGEN, JOHANN, 1891

« . . . ein Wunder ist es, dass Niemand verbrannt ist als ein über achtzigjähriger, erblindeter Mann, Hans von Bergen, ein Wunder auch, dass noch der grösste Theil des Viehs aus den Ställen gezogen werden konnte.

. . .Vom Hausrat wurde da oder dort ein Bett oder ein Kleid gerettet, das ist Alles, und ein Teil von dem Wenigen, das dem Feuer entrissen wurde, verbrannte einige Minuten später auf offener Strasse.»

HEER, JACOB CHRISTOPH, 1891


«Die Häuser stürzten zusammen, bevor die Leute mit dem Flüchten ihrer Habe beginnen konnten und wer aus seinem brennenden Heim entkommen, der musste sich glücklich schätzen, wenn er durch das rauchende und brennende Häusergewirr hindurch einen rettenden Ausweg ins Freie fand. Männer, Frauen
und Kinder flüchteten sich auf die Matten hinaus, manche fielen dort halb ohnmächtig auf die geretteten Matratzen und Bettstücke nieder

. . . Kinder riefen jammervoll nach Vater und Mutter. Väter und Mütter liefen hin und wieder, Angehörige suchend, in der Meinung, sie könnten von abgestürzten Balken, Kaminen, Ziegeln u.s.w. erschlagen oder verwundet worden sein.

Zwischen hinein ertönte das wilde, ängstliche Brüllen des ins Freie getriebenen Viehes.»

«Die Gluthitze war fürchterlich. Nasse Säcke, welche die mit Retten beschäftigten Männer auf die Schindeldächer legten, griffen Feuer wie dürres Stroh.»

Autor*in unbekannt, erschienen in: NZZ, 26.10.1891

Das massive Feuer muss wie der Weltuntergang ausgesehen haben für die Menschen in der Gegend.

Der eben schon mal erwähnte Georg Pressel lebte dort. Er hat es vermutlich mit eigenen Augen gesehen, sowohl die beiden Brände, als auch die Streitigkeiten. Er war Zimmermeister und hatte viele Holzarbeiten geleistet in und an den Häusern, die jetzt abgebrannt waren.

Hier könnt ihr ein Zitat über ihn lesen, aus Ursula Maurers Text über die Brände:

„Erwähnung verdient auch der Zimmermeister Georg Pressel, der, da er nun in Meiringen keine Holzhäuser mehr erstellen durfte, völlig selbstverständlich das Handwerk wechselte und in Stein zu bauen begann.

Seine Bauten fallen verglichen mit denen seiner Baumeisterkollegen keineswegs negativ auf, ganz im Gegenteil, das Haus Bahnhofstrasse 13 etwa gehört zu den besten im Dorfbezirk.

Den Zimmermeister erkennt man noch an der besonders liebevollen Gestaltung der wenigen zugelassenen Holzteile, zum Beispiel bei den schönen Dachuntersichten der Häuser Bahnhofstrasse 13 und 20.“

Maurer, 1999, S.34
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Hier seht ihr das Haus Bahnhofsstraße 13. Es scheint als hätte man die „schönen Dachuntersichten“ abgedeckt im Laufe der Zeit. 1999 schienen sie noch sichtbar gewesen zu sein, als Maurer ihren Text schrieb. Die Fensterverdachungen sind von Pressel.

Hier in der Bahnhofsstraße 20 (Bild unten) kann man es sich vorstellen, wie auch die Nummer 13 mal ausgesehen hat das Dach bretreffend. Weit über 100 Jahre alte Arbeiten. Und das ist nichts! Denn in dieser Gegend finden sich Häuser aus dem 16. Jahrhundert und sogar ein Turm von einer Burg aus der Mitte des 13. Jahrhunderts.

Obwohl es also bei weitem nicht so alt ist, was wir uns hier anschauen, es sind ca.120 Jahre alte Arbeiten von Zimmermeister Georg Pressel, die man hier sehen kann. Ist doch faszinierend….

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Sein Sohn schrieb ihm 30 Jahre später einen Brief.

Diesem können wir entnehmen, dass er stolz war auf den Beruf des Vaters, denn ich habe nie eine Berufsbezeichnung gesehen auf einem privaten Brief unter Familienmitgliedern. Und obwohl der Vater Georg wohl beginnen musste vorrangig mit Stein zu bauen, bezeichnete er sich trotzdem noch als Zimmermeister.

Ausserdem könnten wir vermuten dass sein Sohn Max, an dem Ort von dem er den Brief losschickte, auf einem „Kastel[l]“ eingesetzt war, sich also im Militärdienst befand. Aber war das so, oder bedeutete „Kastel“ was anderes?

Kastel, den. 6. Juli 09.

Lieber Vater.

Vor allem muß ich um Entschuldig
gung bitten, weil ich so lange
nicht geschrieben habe. Das Geld
und den Brief habe ich mit
Freuden erhalten. Besten Dank
dafür. Das erstere kam mir
sehr gelegen, denn ich hatte
gerade noch 6. Pfennige, und damit
hätte ich Pfingsten feiern mühen
Ich hätte auch gleich geschrieben, aber

ich wollte dir auch eine kleine
Frende machen, und dir gleich ein
Bild schicken. Ich hab nämlich
gleich die Gelegenheit benutzt und
hat mich photographieren lassen.
Will auch Kadl, Martha und
Johanna eins senden. Bitte schicke
mir die Adresse von Johanna. Wenn
sie auch mal was für mich tun
könnte, wäre ich sehr froh. Wir haben
jetzt sehr strammen Dienst. Von
morgens früh bis Abendsspät
Haben eben auch sehr schlechtes
Wetter. Den ganzen Tag nichts wie
Regen, und bald jeden Abend
sind wir naß bis auf die Haut.
Aber bald hat es ein Ende denn
in 77. Tagen hat Reserve Ruh.

Ich bin gesund und munter 
und hoffe, daß es dir auch bald
wieder beßer geht. Schone dich lieber
einige Zeit, bis es wieder besser
ist. Daß Ad. Michel krank war, das
wußte ich gar nicht. Der Onkel Max
mit Kindern ist auch gesund, aber
seine Frau ist kränklich. Geht diesen
Sommer noch ein paar Tage nach
Coburg zur Erholung. Sie lassen
dich alle grüßen, und du sollst
auch mal was von Dir hören
lassen. Weiß sonst nichts neues
zu schreiben, denn hier sieht und
höhrt man ein um den andern
Tag dasselbe. Wen du Johanna
siehst grüße sie von mir und
wenn sie was für mich tu

kann, würde es mich sehr freuen.
Ich will schließen in der
Hoffnung, daß diese Zeilen Euch
alle recht gesund und munter
antreffen, und hoffe recht bald wieder
was von Euch allen zu hören.

die herzlichsten Grüße sendet
Euch allen
Euer
Max.

Bitte die Adressen nicht zu vergeßen.
Viele Grüße an alle die nach mir 
fragen.

Auf frohes Wiedersehn!!!

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Da viele Soldaten in der Zeit sehr jung waren als sie in dieser ihre Wehrpflicht ableisteten, hatte er das Feuerinferno bzw. die verschiedenen Brände in seinem Heimatdorf mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht selbst erlebt. Sicherlich ist er mit den Geschichten davon augewachsen. Den 1. Weltkrieg, 5 Jahre nach dem Brief, hat Max vermutlich dann aber „live“ gesehen, also besser gesagt: leider miterleben müssen.

Nur 5 Jahre vor Ausbruch des Krieges wurde der Brief versandt. Da Max jung und vermutlich fit war, wurde er sicherlich eingezogen für den 1.Weltkrieg, also für diese unruhige Zeit damals.

Denn selbst wenn die Schweiz „neutral“ blieb, waren auch sie betroffen von diesem großen Krieg. Schon bald stellte sich nämlich heraus, dass der moderne Krieg ein „totaler Krieg“ war, der alle in Mitleidenschaft zog – Soldaten und Zivilist*innen, Erwachsene wie Kinder. Neutralität nach außen, schützte vor Kriegsfolgen nicht. 


Die Schweiz wurde im Ersten Weltkrieg – obwohl ab 1915 vollständig von kriegführenden Nachbarstaaten umgeben – nicht durch eine Invasion in Mitleidenschaft gezogen. Kurz nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs ordnete der Bundesrat am 1. August 1914 allerdings die Mobilmachung der Schweizer Armee an. Innerhalb einer Woche rückten 220 000 Soldaten in den Aktivdienst ein. (vgl. Schweizerisches Bundesarchiv, o.J.)

Die Kriegsjahre stellten die Bürger*innen der Schweiz und ihre Armee vor schwere innere Probleme. Wie überall fehlten die Menschen, die im aktiven Kriegsdienst waren im Alltag, ihre Arbeitskraft fehlte. (vgl. ebd.) Auch der Briefeschreiber Max könnte hier im Dienst gewesen sein in der Schweiz, für die Schweiz. Oder für ein anderes Land gar?


Unser vorliegende Brief ist nun aber nicht aus dem Zweiten Weltkrieg, sondern der Zeit davor. Und schaut doch mal das Briefpapier – ist es nicht zauberhaft?

Ich hab von genau dem selben Papier noch andere Briefe, die ich damals in Dresden gekauft habe, auf einem Flohmarkt. Diese muss ich noch abtippen und recherchieren. Aber auch damals schon hatte mich dieses Briefpapier verzaubert – ich musste die Briefe haben!

Und nun, Jahre später, fand ich erneut einen Brief geschrieben auf diesem Papier. Witzig!


Meine Vermutung war ja nun, dass Max hier aus der Wehrpflicht der Schweiz schrieb. Der Satz „Wir haben jetzt sehr strammen Dienst.“ und die Bezeichnung „Kastel“ in der ersten Zeile verwies auf einen möglichen Militärdienst. Ich vermutete dass er „Kastell“ meint, also eine militärische Befestigung. Aber es handelte sich tatsächlich dabei um „Mainz-Kastel“.

Nun liegt aber „Mainz-Kastel“ in Deutschland. Wieso sollte er also einen Militärdienst in Deutschland ableisten?

Meine neue Vermutung wäre dass die Familie aus Deutschland kam und sich wegen der Arbeit des Vaters vielleicht in Meiringen angesiedelt hatte (vor vielen Jahrzehnten). Auf die deutsche Herkunft könnte der Nachname der Familie hinweisen.

Pressel ist primär ein deutscher Familienname, der überwiegend im süddeutschen Sprachraum (insbesondere Württemberg/Baden-Württemberg) verbreitet ist. Er kommt zwar auch in der Schweiz vor, ist dort aber seltener als in Deutschland. (vgl. Winklmüller, 2026)

Einen äusserst deutlichen Hinweis auf einen Militärdienst gibt uns dann die Formulierung:

Aber bald hat es ein Ende denn in 77. Tagen hat Reserve Ruh.

Der Ausdruck „Reserve hat Ruh“ (oft umgangssprachlich zu „Reserve Ruh“ verkürzt) ist eine traditionelle Redewendung, die hauptsächlich aus dem militärischen Kontext stammt.

Das war mir vorher auch noch nicht bekannt. – Ich musste es nachschauen. Dachte zunächst, ich hätte die Schrift falsch entziffert!!


Hier sind die Hauptbedeutungen:

Ende der Dienstzeit: Der Satz bedeutet, dass Soldaten, die kurz vor dem Ende ihrer aktiven Dienstzeit oder ihrer Wehrübung stehen („Reserve“), keine schweren Aufgaben, Übungen oder Schikanen mehr zu erwarten haben. Sie können sich „ausruhen“, da sie bald in die Heimat entlassen werden.

Warten auf Entlassung: Er wird oft genutzt, wenn die letzten Tage der Wehrpflicht gezählt werden („…dann hat Reserve Ruh“).

Diese militärische Bedeutung findet man auch in anderen Briefen aus der Zeit. Zum Beispiel:
„Es grüßt Euch im Namen Aller
Euer Sohn Bernhard Lepper.
Noch ein Jahr Soldat dann hat die Reserve Ruh.“

(aus den „Soldatenbriefe aus Kaisers Zeiten im Archiv des Heimatvereins Alte)nberge“ unter: https://www.alltagskultur.lwl.org/de/blog/soldatenbriefe-aus-kaisers-zeiten-im-archiv-des-heimatvereins-altenberge-teil-3/ – die Briefe selbst liegen im: Archiv Heimatverein Altenberge, Nachlass Leper/Tegethoff, Karton 2, Mappe 6.)

Metaphorische Verwendung: Im übertragenen Sinne wird die Redewendung manchmal im Berufsleben oder bei Projekten genutzt, um auszudrücken, dass jemand, der seine*ihre Arbeit getan hat oder kurz vor dem Abschluss steht, nun „seine*ihre Ruhe hat“ und nicht mehr aktiv eingreifen muss.


Es kann also auch in metaphorischer Verwendendung benutzt worden sein von Max. So dass er vielleicht auch – wie sein Vater – als Zimmermeister arbeitet. an einem Haus in Mainz und seit Tagen im Regen arbeiten muss, wie er schrieb. Aber dass genau in 77 Tagen die Arbeit erledigt sein soll, ist unwahrscheinlich!

Die Vermutung dass Max hier seinen militärischen Dienst abgeleistet hat, ist naheliegender am Ende!

Im Jahr 1909 war Mainz-Kastel ein integraler Bestandteil der Festung Mainz und damit ein bedeutender Garnisonsstandort des Deutschen Kaiserreichs. Nach der Eingemeindung nach Mainz im Jahr 1908 (die 1945 rückgängig gemacht wurde) war Kastel stark militärisch geprägt. (vgl. Landeshauptstadt Wiesbaden, o.J.)

Hier war Max also eingesetzt, scheinbar….. ……vermutlich.

Die allgemeine aktive Dienstpflicht dauerte bei der Kavallerie und der reitenden Feldartillerie drei Jahre, bei den übrigen Truppen zwei Jahre. Darauf folgte die Reservepflicht, die mit der aktiven Dienstpflicht zusammen sieben Jahre betrug.

Beier & Biedermann, 1993
ERINNERUNGSPHOTO: AUF DER STUBE
AUFNAHME: EMIL SCHRÖTER POTSDAM 1910; 22 X 27 CM (MIT ORIGINALRAHMEN)
DHM, BESTAND ZEUGHAUS (MK 87-113) ABB. SEITE 41

So ungefähr mag es also auf der „Stube“ ausgesehen haben, in der Max seinen Dienst ableistete. Man sieht gut wie jung sie waren. Es gab auch kürzere Dienste „an der Waffe“ in dieser Zeit. Dann wäre er auch nicht mit so vielen in einer Unterkunft gewesen.

Die „Einjährig-Freiwillige“ (meist junge Männer mit höherer Schulbildung) leisteten nur ein Jahr Dienst und trugen ihre Kosten für Verpflegung und Uniform selbst. (vgl. Beier & Biedermann, 1993)

Ein Zimmermeister war im frühen 20. Jahrhundert ein angesehener, oft wohlhabender selbstständiger Handwerker („Meister“). Er gehörte nicht zur klassischen Arbeiterschaft (Proletariat), sondern zum Mittelstand. Deswegen hatte der Sohn eines Zimmermeisters um 1909 im Deutschen Kaiserreich potenziell gute Chancen auf eine höhere Bildung. Es kann also sein, dass er nur ein Jahr geleistet hat.

Wenn ihr jetzt aber denkt, dass der Dienst in der Schweiz vermutlich länger war, und nicht die „Einjahres-Regel“ bestand, daher Max in Deutschland seinen Dienst ableistete, dann irrt ihr euch. Die Schweiz setzte bereits damals auf ein reines Milizsystem. Die Ausbildung (Rekrutenschule) dauerte für alle obligatorisch nur wenige Monate (1910 ca. 65 bis 90 Tage, je nach Truppengattung), gefolgt von regelmässigen kurzen Wiederholungskursen.

Eine „Verkürzung“ auf ein Jahr war daher weder nötig noch logisch, da der Grunddienst ohnehin deutlich kürzer war. Warum Max also nicht in der Schweiz blieb dafür bleibt unbekannt. Aber doch konnten wieder interessante Dinge herausgefunden werden, meine ich. 🙂

Und der Brief an sich ist ja auch sehr schön, also nicht nur optisch, sondern auch inhaltlich.

Ich hoff der Beitrag hat euch gefallen!

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QUELLEN:

Beier, R. & Biedermann, B. (1993): Lebensstationen in Deutschland: 1903 -1993; Katalog; und Aufsatzband zur Ausstellung des Deutschen Historischen Museums 26. März bis 15. Juni 1993 im Zeughaus Berlin / hrsg. von Rosmarie Beier und Bettina Biedermann. Giessen: Anabas.

HEER, JACOB CHRISTOPH (1891): Die Brände von Meiringen und Rebstein am 25. und 30. Oktober
Zürich.

Landeshauptstadt Wiesbaden (ohne Jahr.): Mainz-Kastel – Materialien zur Stadtentwicklung. Wiesbaden.

Maurer, U. (1999): Der Brand von Meiringen 1891 und der Wiederaufbau des Dorfes.
Bern: Verlag Historischer Verein des Kantons Bern.

VON BERGEN, JOHANN (1891): Meiringen. Ein Gedenkblatt nach dem 25. Oktober 1891. Meiringen.

WIKIPEDIA (2026): Meiringen. Abgerufen unter: www.wikipedia.org/wiki/Meiringen

Winklmüller, L. (2026): Pressel. in: Digitales Familiennamenwörterbuch Deutschlands,
URL: http://www.namenforschung.net/id/name/22865/1 

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